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23rd December 2009

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Die Essensampel

Wer kennt es nicht, auf den abgepackten Nahrungsmitteln im Supermarkt steht seit einer Weile drauf wieviel Kalorien, Eiweiss, Zucker, Salz und Fett der Inhalt hat.

Soweit schonmal leichter für den Kunden, weil er nicht den Karton drehen muss um die Tabelle auf der Rückseite zu lesen. Die Kritik ist nun, dass die angegebene Menge pro Portion zwar Stimmt, aber die Portionen falsch berechnet sind. Dem Stimme ich zu, ich esse nicht 25gr Chrips aus einer 170gr. Packung, sondern meist die ganze, und ich esse auch nicht nur eine halbe Pizza sondern eine ganze. Würden die echten Werte pro gesamte Packung draufstehen, säh die GDA Angabe anders aus.

Manche fordern nun zu Behebung dieses Missstandes, dass eine Ampel eingeführt wird. Rot für zuviel, gelb für viel, grün für gut. Und das je nach Forderung für Inhalt pro 100gr, oder pro Portion.

Womit natürlich das Problem der Portionsgröße nicht gelöst ist, und die es auch wieder den falschen Eindruck macht, da pro 100gr. wieder einfach nur eine Portionsgröße ist, die ggf. nichts mit der Packungsgröße oder wirklichen verzehrbaren Menge zu tun hat.

Es gibt 2 große Probleme mit der Ampel, zum einen wirkt sich die Ampel auf die Wirtschaft aus. Rot ist böse. Keiner möchte einen roten Punkt auf seiner Verpackung haben die dem Kunden sagt, nimm lieber die Packung neben mir mit dem gelben Punkt an der gleichen Stelle. Also werden die aus werbetechnischen Gründen die Rezepturen verändern um gelb oder grün zu werden. Das wird manche sicher freuen. Aber ich bezweifel, dass das Ergebnis dann noch gut schmeckt. Fett ist und bleibt ein Geschmacksträger. Salz ist das Salz in der Suppe. Zucker versüßt den Tag. Manche Dinge braucht man, manche Dinge will man. Wenn nun aus reiner Statistik versucht wird Zahlen zu optimieren, geht einiges verloren was man nicht verlieren möchte. Oder es wird der Zucker durch Süssstoff ersetzt, oder statt Fett kommen künstliche Aromen. Hauptsache nichtmehr rot. Damit ist nichts gewonnen nur Geschmack verloren.

Der zweite Punkt ist, wer sagt was warum rot ist und was nicht? Kürzlich twitterte ich erst, dass ich eine Tafel Schokolade esse, mit Laugenbrötchen. Die Antwort war, wie kann man das tun, das wäre eine Kalorienbombe sondersgleichen. Jeder würde sofort sagen, Schokolade ist sowas von Rot. Mit knapp 550kcal pro Packung sicherlich was wahres dran. Doch wenn man das mal runterrechnet ist das nicht viel.
Wenn ich mir als 120kg Mann, der 3-4mal die Woche Krafttraining macht, und damit ca. einen Umsatz von > 3000kcal an Trainingstagen hat sind 550kcal meiner Ansicht nach ok. Rechnet man für ein Mittagessen ca 1000kcal, Abendessen ca. 500 kcal, Frühstück meist wenig mit ca. 200kcal, kann ich wenn ich will 2 Tafeln am Tag essen und hätte immernoch Platz. Ich lebe nun schon lange mit Kalorien und Inhaltstabellen und überlege mir vor diesen Dingen ob das jetzt ok ist oder nicht. Das kostet aber Zeit und fordert eine gewisse Aufmerksamkeit und Selbstdisziplin. Das ist beides schwer und teilweise auch nicht wirklich günstig.
An diesem Punkt sollte man merken, dass die Einheiten, auch auf McDonaldsverpackungen oder die Prozentangabe der GDA, die sich an einer Person mit einem Tagesverbrauch von 2000kcal orientieren nicht passen. Das ist ca. der Umsatz eines normalen Mannes von 1.80 Größe ohne Übergewicht und einem Bürojob. Wenn man diesen Mann als Standard nimmt, tut man allen anderen Unrecht. Die dürfen dann trotzdem noch rechnen und sich überlegen wie das ganze im Verhältnis aussieht.

Gerade Kindern oder Eltern soll diese Ampel ja helfen. Wie soll ihnen das helfen, wenn die Ampel auf einen erwachsenen Menschen ausgerichtet ist? Kinder brauchen eine andere Zusammensetzung von Nährstoffen, mehr Calcium zum Beispiel. Was ein Erwachsener mittleren Alters nicht soviel braucht. Sollen wir dafür mehrere Ampeln auf die Produkte machen? Eine für Babies, eine für Schulkinder, für Teenager, für Erwachsene, für Rentner, am besten noch die Erwachsene unterscheiden in Arbeiter und Angestellte?

Darum ist eine Ampel meiner Ansicht nach nicht richtig. Klar ist die Kennzeichnung an sich sinnvoll, obwohl die schon immer auf der Rückseite war, auf 100gr. berechnet und seit einiger Zeit auch auf Portionsgröße. Die Angabe vorne ist eher was für den flüchtigen Blick. Die Kritik, es steht zu klein drauf und die Protionsgröße ist unpassend, sehe ich ein, und bin ich auch nicht zufrieden mit. Diese sollte extern geregelt sein und verpflichtend. Oder gleich einfach den kompletten Packungsinhalt. Wobei wir dann vielleicht in ein paar Jahren nurnoch 25gr. Chipstüten haben, und wer will das schon.

Wichtiger als all dieser Kennzeichnungs und Ampel Humbuk ist es, die Leute zu informieren. Ein gutes Beispiel, welches in der Diskussion von Tirsales gebracht wurde, sind die “Diät” Joghurts. Diese erwecken durch ihre Aufmachung den Eindruck sie wären super gesund, und auch das GDA zeigt hier meist nichts “böses” jedoch sind sie im Vergleich zu den normalen meist nicht viel besser, bzw. ersetzen eben meist nur Zucker durch Süssstoff, der ja für sich selbst genommen ein Mastmittel ist, und eher nichts mit Diät zu tun hat.
Man sollte jedem die Möglichkeit geben zu erfahren, welcher Ernährungsplan für ihn geeignet ist, und die Kennzeichnung so aufbauen, dass er nach diesem Ernährungsplan seinen Einkauf zusammenstellen kann.
Mir z.b. hat die Angabe vorne eigentlich so gut wie garnicht geholfen bei meiner Diät. Ich habe im letzten Jahr >25kg abgenommen, mit viel Sport und kontrollierter Ernährung. Ich habe trotz GDA eigentlich immer die Rückseite lesen müssen, weil eben nicht alle Infos vorne drauf stehen. Desweiteren habe ich eben viel Eiweiss zu mir genommen, wahrscheinlich mehr als die Ampel als grün oder gelb empfinden würde. Aber das war eben teil meiner Diät und so auch mit Experten abgesprochen.

Mir bleibt nur zu sagen, eine Ampel setzt ein falsches Signal. Aufklärung ist immernoch das wichtigste. Die Entscheidung wieviel jeder von was essen möchte, trifft er selber. Man muss ihm nur die Chance geben diese Entscheidung wissentlich zu fällen.
Aber von einer Kennzeichnung mit “Das solltest du jetzt nicht tun!” halte ich nichts.

Zudem ändert die Kennzeichnung auch nichts am Problem, dass viele Leute gerade ungesunde Dinge kaufen (müssen), weil sie weder Zeit haben, ein gesundes Essen zu suchen oder zuzubereiten, noch das Geld haben, sich teurere gesunde Lebensmittel zu kaufen, noch die Lust haben, sich ein die Küche zu stellen und statt der Fertigpizza die 12min braucht eine selbstgemachte zu belegen mit frischen Zutaten die dann am ende erstmal eine Stunde für die Zubereitung braucht.
Hier ist die Forderung nach der Ampel dann doch irgendwie nur ein Stoppschild. Man siehts, man kennts, man weiss das man nicht einfach so drüberfahren soll, tuts aber trotzdem.

(Picture Source: http://www.flickr.com/photos/leipzi1/ / CC BY-SA 2.0)

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