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Es gibt zwei Punkte bei der Geschichte um den Angriff auf Berlusconi am Wochenende.
Zum einen finde ich die (erste) Reaktion vieler ziemlich bescheuert. Da freut man sich, dass ein 70-jähriger mit einer Statue geschlagen wird, man ihm die Nase bricht und zwei Zähne abbricht. Wirklich? Wäre dies in Deutschland irgendeinem 70-jährigen passiert würde man wieder nach mehr Überwachungskameras schreien. Aber da Berlusconi ja ein offensichtlich böser Mensch ist, ist es ok?! Hier mag man gerne mal die Bibel zitieren und sagen “Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.” Kein Mensch ist wirklich gut, und kein Mensch ist unendlich böse. Es gibt kein schwarz und weiss. Und egal was er getan hat, ein körperlicher Angriff ist nie ok. Bei jeder anderen Gelegenheit würden viele dieser Leute schreien, dass man das nicht darf, jeder Mensch hat sein Recht auf körperliche Unversehrbarkeit. Aber bei manchen Menschen macht man dann eine Ausnahme? Da sollte man mal drüber nachdenken. Genauso wie Eier auf Kohl, wie Torten ins Gesicht von Politikern oder Messerangriffe auf Lafontaine und Schäuble? Wo endet das, wenn man das gut findet? Hier wird wiedermal mit verschiedenem Mass gemessen. Und gerade Piraten sollten das doch nicht wolle, oder?
Der zweite Aspekt der Geschichte ist das Nachspiel welches sich nun ergeben hat. Viele Kritiker und Gegner von Berlusconi fühlen sich jetzt dazu gezwungen bei ihm zu stehen und, zumindest für einige Zeit, auf Kritik zu verzichten. Man ist nun gezwungen auf der Seite des Opfers zu stehen, dem Opfer einer feigen Attacke. Gegen den aggressiven und gewalttätigen Täter. Toll gemacht Herr Attentäter, Ziel erreicht? Ich glaube nicht.
Die Attacke ist für Gegner von Berlusconi fatal, da sie nun mit diesem über einen Kamm geschert werden können. Für Freunde Berlusconis ein gefundenes Fressen um gegen die Gegner zu wettern und ihren Silvio als Märtyrer zu stilisieren. Das Opfer, der alter Mann der von den Hooligans gehasst und verprügelt wird. Da kann man sich schon fragen, was die Aktion sollte.
Nicht, dass man Berlusconi mögen muss. Nein, ich bin auch gegen vieles was er getan hat und tun wird. Mir gehts hier nur um die Art der Kritikausübung. Kritik muss in geregelten Bahnen stattfinden. Mit zweierlei Mass zu messen bringt niemandem weiter. Dieses Niveau sollten wir versuchen zu eliminieren.
(Picture Source: http://www.flickr.com/photos/yuan2003/ / CC BY-NC 2.0)